Vom gefeierten Kinderstar zur verurteilten Straftäterin. Lindsay Lohan hat mit ihren 23 Jahren mehr durchgemacht als andere Promis im ganzen Leben. Im Knast kann das einstige It-Girl jetzt erstmal über ihren tiefen Fall nachdenken. Doch die "Auszeit" hinter Gittern endet eher als gedacht.
Lindsay kann aufatmen. Wie ein Sheriff kurz nach ihrer Inhaftierung am Dienstagmorgen mitteilte, wird die 23-Jährige gerade mal 13 Tage ihrer dreimonatigen Haftstrafe hinter Gittern verbringen. Bereits am 1. August könnte "LiLo" demnach wieder in die Freiheit spazieren. Ursprünglich war von 23 Tagen die Rede. Klar war, dass die US-Schauspielerin nicht die volle Zeit absitzen muss. Die kalifornischen Gefängnisse sind so überfüllt, dass der Großteil der Haftstrafen - bei minderschweren Delikten - zur Bewährung ausgesetzt wird. Auch erste Knast-Insider melden sich zu Wort: "Lindsay ist sehr freundlich und entgegenkommend", heißt es aus der Lynwood Vollzugsanstalt. Nach der Entlassung erwarten das Hollywood-Starlet strenge Bewährungsauflagen: Lohan muss ein Jahr nüchtern und clean bleiben, drei Monate in deine Entzugsklinik und bis August 2011 für unangemeldete Alkohol- und Drogentests zur Verfügung stehen.
Um 10.11 Uhr Ortszeit L.A. (19.11 Uhr mitteleuropäischer Zeit) checkte Lindsay Lohan ins Gefängnis ein. "Sie war sehr kooperativ und durchläuft gerade noch die üblichen medizinischen und psychologischen Routine-Untersuchungen", war alles, was ein Sheriff nach Lindsays Inhaftierung zunächst verraten wollte.
Um 9.45 Uhr Ortszeit fuhr die silberne Limousine durch das Gefängnistor auf den abgeschirmten Innenhof der Justizvollzugsanstalt in Lynwood, Los Angeles. Auf dem Rücksitz: Lindsay Lohan, 24, die hier ab sofort 90 Tage Freiheitsstrafe wegen wiederholter Verstöße gegen ihre Bewährungsauflagen absitzen soll. Bereits 2007 saß sie in Lynwood 84 Minuten ein - wegen Fahrens unter Alkohol- und Drogeneinfluss. Auch damals wurde der Freiheitsentzug wegen drastischer Zellen-Überfüllung auf ein Minimal-Maß reduziert.
Top gestylt zum Haftantritt
Um 8.35 Uhr Ortszeit traf Lindsay Lohan mit genau fünf Minuten Verspätung am Gericht von Beverly Hills ein. In Röhrenjeans, grauem Shirt, dunklem Blazer und Peeptoe-Booties hastete die 24-Jährige durch die Meute von Fotografen und Kamerateams. An ihrer Seite: Anwältin Shawn Chapman und Mama Dina Lohan. Mit frisch blondierten Haaren und einer dicken Schicht Make-up war Lindsay gekommen, ihre 90-tägige Haftstrafe anzutreten.
Der US-Onlinedienst "TMZ" berichtete live vom Gerichtsgebäude und entdeckte dort auch LiLos Vater Michael Lohan. Laut seiner Pressesprecherin hat er den ganzen Morgen betend zugebracht und sei in Gedanken bei seiner Tochter. Die beiden sind seit Jahren zerstritten und Lindsay bezeichnete ihren Vater öffentlich als Versager und Lügner.
Die letzten Tage in Freiheit verbrachte der einst gefeierte Kinderstar ("Mean Girls") in der Promi-Entzugsklinik "Pickford Lofts" in West Hollywood. Ein letztes, verzweifeltes Zeichen der Reue, um ihre Haftstrafe zu mildern? Manche munkeln ihr Anwalt Robert Shapiro habe das gefallene It-Girl dazu überredet, um Werbung für die Einrichtung zu machen. Nicht ganz unwahrscheinlich wurde sie doch vom Anwalt selbst gegründet, dessen Sohn schwer drogenabhängig war.
Freunde berichten, dass die Schauspielerin zuletzt vollkommen aufgelöst und reines Nervenbündel gewesen sei. „Es war ein hartes Wochenende“, so ein Insider gegenüber „People.com“. „Lindsay konnte nicht schlafen und hat kaum gegessen. Sie hat die ganze Zeit geweint, Kette geraucht und an ihren Fingernägeln gekaut“, so der Informant weiter.
Sogar ihre Ex-Freundin, DJane Samantha Ronson (32), besuchte Lindsay in "Rehab", um ihrer einstigen Liebe beizustehen. Die Trennungsschlammschlacht nach dem Beziehungs-Aus im letzten Jahr? Vergessen. Auch Mutter Dina wich nicht von der seite ihrer Tochter und sogar Star-Anwältin Shawn Chapman Holley übernahm wieder Lindsays Fall. Holley hatte nach Verkündung des Strafmaßes den Fall abgegeben und ihre Mandantin als "unberechenbar" bezeichnet. Doch nachdem ihr Nachfolger Promi-Anwalt Robert Shapiro Lindsay jetzt kurz vor der Einbuchtung sitzen ließ, hatte Holley offenbar Mitleid und Shapiro was er wollte: Werbung für "Pickford Lofts".
Bitter für Lindsay, jeder in ihrer Umgebung scheint ihre Notlage für seine eigenen Zwecke nutzen zu wollen. Bereits letztes Jahr verkaufte ihr Vater Mitschnitte eines ihrer Telefongespräche, in dem die Schauspielerin verzweifelt schluchzte: "Niemand denkt mal an mich. Es geht immer nur darum, wie die anderen sich fühlen. Niemand kümmert sich um mich und meine Gefühle. Es ging nie um mich - es sei denn ich kämpfe darum." Hoffen, wir das Lindsay nach allem noch genug Kraft hat für sich zu kämpfen.
Mittwoch, 21. Juli 2010
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